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Courtesy Michael Hoppen Gallery

Wegweisend!

Manuel Franquelo

Manuel Franquelo im Gespräch

Published: 11.12.2017

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Es gibt so gut wie keine Publikationen von ihm, für ein Gemälde nimmt er sich ein ganzes Jahr Zeit, für seine Fotoarbeiten entwickelt er die Hardware selbst, und die Software gleich mit, ausgestellt hat er in seiner Karriere überhaupt erst zwei Mal. Der studierte Ingenieur ist an Großprojekten der Faksimilierung und musealen 3D-Rekonstruktion beteiligt, und doch gilt sein Können vor allem dem eigenen, sich ebenso langsam wie brillant entwickelnden Werk.
Manuel Franquelo ist ein Künstler von seltener Radikalität: in der Autononie seiner Produktionsmittel wie in seinem Verhältnis dem Kunstmarkt gegenüber. Im Gespräch wird schnell klar, wie informiert zurückgezogen, wie reflektiert bescheiden er als Person, aber auch wie alltäglich existenziell – trotz aller technischer Perfektion – seine Kunst ist. Eine Position, die in ihrer widerständigen Präzision und Klarsicht nur als wegweisend gelten kann.



Sie haben zuerst Ingenieurwissenschaften (Telekommunikation) studiert und danach ein Kunststudium angeschlossen. Können Sie mir etwas über Ihren Weg zur Technik sagen? Und wie verlief jener zur Kunst?


Mein Vater war sehr mathematikinteressiert und studierte Ingenieurwissenschaften. Meine Mutter zog es zur Musik und auch zur Philosophie. Ich glaube, es war wichtig für mich, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der sich unterschiedliche Vorlieben und Standpunkte miteinander vermengten, und das vollkommen selbstverständlich. Ich zog dann zum Ingenieursstudium nach Madrid und fing bald darauf an, mich auf die Aufnahmeprüfung zur ­Kunsthochschule vorzubereiten. Kurz vor Ende meines Ingenieurs­studiums beschloss ich, mehr Zeit auf die Kunst zu verwenden und entschied mich dafür, den zuerst eingeschlagenen Weg nicht länger zu verfolgen. Ein paar Jahre später machte ich meinen Abschluss an der Kunsthochschule, und seither ist die Kunst mein Hauptberuf. Mit Technik habe ich zwar gearbeitet, aber fast ausschließlich im Rahmen meiner ­künstlerischen Praxis, nicht als professionelle Tätigkeit.


Sie forschen intensiv an bildlichen Reproduktions­techniken, scannen und reproduzieren Meisterwerke der Kunst- und Kulturgeschichte mit selbst konstruierter Hard- und Software auf höchstem Niveau. Woher kommt diese, Ihre obsessiv anmutende Beschäftigung und was interessiert Sie daran in künstlerischer Hinsicht?


Hier möchte ich gerne klarstellen, dass das, was mich interessiert, nicht das Akkurate, peinlich Genaue, Perfekte ist, wie man oft geneigt ist zu meinen. Was mich interessiert, ist das Unbedeutende, das heißt, jener Teil des Alltäglichen, der unbemerkt bleibt und dem niemand Beachtung schenkt. Die Interpretation der Welt vermittels des Unbedeutenden ist ein Thema, das mich meine ganze bisherige Laufbahn hindurch begleitet hat. Dieser Blickwinkel hat mich schon immer angezogen, vielleicht aus Misstrauen gegenüber dem Außerordentlichen, dem Heroischen, dem Spektakulären – Begriffe, die mir...

Es gibt so gut wie keine Publikationen von ihm, für ein Gemälde nimmt er sich ein ganzes Jahr Zeit, für seine Fotoarbeiten entwickelt er die Hardware selbst, und die Software gleich mit, ausgestellt hat er in seiner Karriere überhaupt erst zwei Mal. Der studierte Ingenieur ist an Großprojekten der Faksimilierung und musealen 3D-Rekonstruktion beteiligt, und doch gilt sein Können vor allem dem eigenen, sich ebenso langsam wie brillant entwickelnden Werk.
Manuel Franquelo ist ein Künstler von seltener Radikalität: in der Autonomie seiner Produktionsmittel wie in seinem Verhältnis dem Kunstmarkt gegenüber. Im Gespräch wird schnell klar, wie informiert zurückgezogen, wie reflektiert bescheiden er als Person, aber auch wie alltäglich existenziell – trotz aller technischer Perfektion – seine Kunst ist. Eine Position, die in ihrer widerständigen Präzision und Klarsicht nur als wegweisend gelten kann.

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